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Frauen in Führungspositionen

Fortschritte und Herausforderungen

Frauen in Führungspositionen: Fortschritte und Herausforderungen


In den letzten Jahren hat sich der Frauenanteil in deutschen Führungsetagen stetig erhöht. Laut einer aktuellen Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY lag der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in den 160 Unternehmen der DAX-Gruppe zum 1. Januar 2025 bei 19,6 Prozent – ein Rekordhoch. Damit ist fast jedes fünfte Vorstandsmitglied weiblich. Dennoch gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmen: Während 63 % der Konzerne mindestens eine Frau im Vorstand haben, bleibt ein erheblicher Teil der Unternehmen weiterhin männerdominiert.


Gesetzliche Regelungen als Treiber

Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sind gesetzliche Vorgaben. Seit 2016 müssen große, börsennotierte Unternehmen in Deutschland eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in ihren Aufsichtsräten einhalten. 2022 wurde diese Regelung auf Vorstände ausgeweitet: In börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern muss mindestens eine Frau vertreten sein.

Verbände wie "Frauen in die Aufsichtsräte" (Fidar) fordern jedoch eine Ausweitung dieser Regelung. Derzeit unterliegt nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen dieser Pflicht, sodass weiterhin viele große Firmen keine weiblichen Vorstände haben. Fidar-Präsidentin Anja Seng betont, dass es zwar Fortschritte gebe, ein echtes Gleichgewicht aber noch lange nicht erreicht sei.

Gender Pay Gap: Ungleichheit bleibt bestehen

Trotz des steigenden Frauenanteils in Führungspositionen bleibt die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen bestehen. Der sogenannte Gender Pay Gap zeigt, dass Frauen im Durchschnitt weiterhin weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Laut dem Statistischen Bundesamt lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2024 bei 16 %, nachdem er im Vorjahr noch bei 18 % lag. Das bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde verdienten als Männer. Dieser Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Bruttomonatsverdienste von Frauen 2024 um rund 8 % gestiegen sind, während die Bruttomonatsverdienste von Männern nur um 5 % zunahmen.

Ein weiterer Faktor der Verdienstungleichheit ist die höhere Teilzeitquote von Frauen. Während Männer im Jahr 2024 durchschnittlich 149 Stunden im Monat arbeiteten, waren es bei Frauen nur 122 Stunden – ein Unterschied von 18 %. Zudem waren 73,6 % aller Frauen erwerbstätig, verglichen mit 80,8 % der Männer. Diese Unterschiede führen dazu, dass der sogenannte Gender Gap Arbeitsmarkt, ein umfassender Indikator für Verdienstungleichheit, 2024 bei 37 % lag (2023 lag er bei 39%).


Vorurteile und Wahrnehmungsverzerrungen

Obwohl Frauen nachweislich erfolgreich in Führungsrollen sind, gibt es weiterhin hartnäckige Vorurteile, die ihre Karrieren behindern. Ein weit verbreiteter Mythos ist beispielsweise, dass "Führung nicht in Teilzeit möglich" sei. Dabei wird oft übersehen, dass in vielen anderen Ländern erfolgreiche Modelle existieren, in denen Führungskräfte in Teilzeit arbeiten. Da zwei Drittel aller Frauen mit Kindern unter 12 Jahren in Deutschland in Teilzeit arbeiten, würde diese Denkweise ihnen faktisch den Zugang zu Führungspositionen verwehren.

Ein weiteres Argument ist, dass "Frauen zu emotional seien, um Teams zu führen". Diese Behauptung hat keinen wissenschaftlichen Halt und basiert auf alten Rollenklischees. Studien zeigen, dass Männer ebenfalls emotionsgetrieben handeln, dies jedoch oft anders wahrgenommen wird. Wenn männliche Führungskräfte riskante Entscheidungen treffen, werden sie als visionär oder mutig bezeichnet – während Frauen für ähnliche Entscheidungen als unbesonnen oder irrational gelten.

Viele Männer argumentieren auch, dass in ihren Unternehmen bereits viele Frauen gefördert würden, weshalb weitere Maßnahmen überflüssig seien. Experten warnen jedoch, dass Gleichstellung ein kontinuierlicher Prozess ist und nicht mit punktuellen Maßnahmen abgeschlossen ist. Die Wahrnehmung, dass Männer inzwischen benachteiligt seien, lässt sich in den meisten Fällen nicht durch Zahlen belegen – denn in den meisten Unternehmen werden weiterhin mehr Männer als Frauen befördert.

Frauenquote wirkt, aber es bleibt viel zu tun

Laut Bundesfamilienministerin Lisa Paus zeigen die gesetzlichen Vorgaben Wirkung: "Wo es eine klare Quote gibt, da funktioniert das. Wo es keine klare Quote gibt, bewegt sich wenig." Besonders in der Privatwirtschaft besteht noch Handlungsbedarf, da viele Unternehmen freiwillig keine ambitionierten Zielvorgaben setzen.

Zusammenfassend zeigt sich: Der Frauenanteil in Führungspositionen ist auf einem historischen Höchststand, aber von echter Gleichstellung sind wir noch weit entfernt. Gesetzliche Vorgaben haben Fortschritte erzielt, doch es bedarf weiterer Maßnahmen, um Parität in deutschen Unternehmen zu erreichen. Neben verbindlicheren Regelungen braucht es vor allem einen kulturellen Wandel in den Unternehmen, um Frauen gezielt zu fördern und ihnen den Weg in Spitzenpositionen nachhaltig zu ebnen.


Unsere Erfahrung als Personalvermittler zeigt: Diese Entwicklungen sind nicht nur Theorie

In unserer täglichen Arbeit als Experte im Bereich der Personalvermittlung haben wir Erfahrungswerte gewonnen, die dies teilweise bestätigen. Gerade beim Thema Teilzeit beobachten wir, dass dieses Modell besonders von Frauen nachgefragt wird – oft begleitet von der Sorge, ob dies als Deal Breaker im Bewerbungsprozess angesehen wird. Auch beim Thema Gehalt fällt auf, dass Frauen mit gleicher Erfahrung häufig geringere Gehaltsforderungen stellen als ihre männlichen Kollegen.

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/PD25_081_621.html

https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/01/ey-mixed-leadership-barometer-25

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschlechterparitaet-frauenanteil-in-fuehrungspositionen-auf-hoechststand-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250110-930-339838

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/sexismus-warum-frauen-noch-nicht-gleichberechtigt-sind-110326498.html